Die Innung der Zimmerleute und Studenten der TU lassen auf dem Altmarkt alte Traditionen wieder aufleben
Veröffentlichung in der DNN vom 28.04.2012

Das war harte Arbeit für starke Männer. Seit gestern, 14.30 Uhr, steht der Maibaum auf dem Altmarkt – eine Fichte, 20 Meter lang, 600 Kilogramm schwer, aufgestellt von rund 50 Zimmerleuten in zünftiger Kluft. Allein mit Muskelkraft, ganz ohne technische Hilfsmittel.

Das hatte sich Thomas Schneider ausgedacht, Obermeister der Zimmererinnung Dresden. Denn ausgerechnet in diesen Tagen sind Zimmerer aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Westfalen hier zum Bundesinnungstag zu Gast.

08_2012

„Wir wollen alte Tugenden wie Gemeinschaftsgeist und Berufsehre wieder mit Leben erfüllen“, begründete Schneider. „Und gerade beim Aufstellen des Maibaums ist dieser Gemeinschaftssinn besonders wichtig.“ 13 Uhr fiel in der prallen Mittagssonne der Startschuss für das Mammutprojekt, anderthalb Stunden später war es dann so weit: Mit vereinten Kräften gelang es den Zimmerleuten, den Maibaum in senkrechter Position zu fixieren. Nun schmückt er bis zum 20. Mai den Dresdner Frühjahrsmarkt.

Die Tradition des Maibaumsetzens geht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Es ranken sich bis heute Mythen darum, wo der Ursprung des Maibaums zu finden ist – ob in einem alten heidnischen Fruchtbarkeitsritual oder im christlichen Pfingstbaum. Das Maibaumsetzen ist jedenfalls eine beliebte Tradition, um den Frühling zu begrüßen. Die Besucher des Dresdner Frühjahrsmarktes waren ziemlich begeistert von dem Schauspiel.

Bändertanz „Ich bin eben erst aus Bayern nach Dresden gezogen, in meiner Heimat ist die Tradition des Maibaumstellens sehr verbrei28.04.2012tet“, sagte ein Besucher „Aber wie ein Maibaum von Hand aufgestellt wird, das sehe ich zum ersten Mal, wirklich beeindruckend.“ Nachdem der Maibaum nun stand, ging man über zum musikalischen Teil des Programms. Dafür sorgten 30 Studenten und Wissenschaftler der TU Dresden aus 13 verschiedenen Nationen, die eine weitere alte Tradition des Maibaumsetzens wieder aufleben ließen, den Bändertanz.

Unter der Leitung des Folkloretanzensembles „Thea Maass“ hatten die Studenten zwei Monate lang den komplizierten Tanz einstudiert, bei dem die farbigen Seidenbänder des Maibaums zu einem kunstvollen Muster um den Stamm gewoben werden. Anna, Informatikstudentin und gebürtige Ukrainerin, hat bei dem Projekt mitgemacht. „Einen mir unbekannten Tanz zu lernen fand ich ziemlich spannend“, sagte sie. Zum Abschluss wurden verschiedene Tanzstile aus Europa vorgeführt.

Friedrich Hellmuth

50 Männer und ein Maibaum



Jetzt weiter empfehlen:
Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmail