Wenn der Maienbaum blüht – TU-Folkloretanzensemble „Thea Maass“ feiert 55-jähriges Bestehen

(Gabriele Gorgas, Veröffentlichung in der DNN vom 23.11.2005)

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, dafür auch jeden Anlass nutzen. Weil Feiern ein Grund ist, sich zusammenzufinden, aneinander zu freuen, Herangewachsenes zu begutachten. Dass das Folkloretanzensemble „Thea Maass“ der TU Dresden gleich in Fünfjahreschritten jubiliert, ist gewiss sein gutes Recht, und auch 5 Jahre Tanztradition-Erfolg sind noch lange nicht genug. Lebendige Folklore – weniger die schockgefrorene im Fernsehen – verbreitet so viel Lebenslust und Gemeinsamkeit, dass man sie als etwas besonders Kostbares, Vitales pflegen und wahrnehmen sollte.

Als bei der Festvorstellung in der Staatsoperette zum Schlussapplaus für mehrere Tanzgenerationen reichlich Winzlinge mit Blumen auf die Bühne gehoben wurden und zwischen ihren (vielleicht sogar Großeltern) herumsprangen, war zu ahnen, dass sich hier jedermann beherzt um Nachwuchssorgen kümmert. Weil die Liebe eben nicht nur durch den Magen geht, sondern offenbar auch in musikalisch bewegten Variationen zum Blühen kommt.

Allein seit 2001 sind dem Ensemble 12 Sprösslinge zugewachsen, drei davon geboren im Abstand weniger Tage. Eine erfreulich fruchtbare Recherche, die dem Publikum da in der Moderation mitgeteilt wurde.
Kein Wunder; Folklore ist thematisch deutlich geprägt von den wesentlichen Dingen des Lebens wie sich necken und kriegen, Liebesorakel, Jahreszeitenfreuden oder andere ähnlich schöne Vorgänge. Und es überrascht auch kaum, dass sich mit der Gruppe „Alte Liebe“ ebenso die „Ehemaligen“ des Ensembles wieder auf die Bühne wagen, bezeichnenderweise unter dem Tanztitel „Wenn der Auerhahn balzt“.
Besser hätte man es nicht begreifen können; Folklore ist nicht nur ansteckend, sie ist inspirierend auf Dauer. Und hält die müden Glieder in Schwung. Allein schon das Zuschauen macht da Spaß.



Übrigens trägt das 1950 gegründete, in den Anfängen von Dorothea Anger geleitete Ensemble seit 1990 den Namen „Thea Maass“. Und deren Arbeiten gehören nach wie vor zum Repertoire, wirken frisch und lebendig, natürlich auch dank der inspirierten Tänzer. Die Wigman-Schülerin Thea Maass prägte von 1968 bis 1089 als ständiger Gast maßgeblich den Stil und Anspruch des Folkloretanzensembles. Übrigens gab es bei der Jubiläumsaufführung noch einen weiteren Grund zum Feiern. Seit 1975 lenkt und leitet der Tanzpädagoge Gert Hölzel des Geschicke des Ensembles, und das macht er auf eine liebenswerte, den Zusammenhalt fördernde Art und Weise. Unterstützt wird er dabei seit 1989 auch von Maud Butter.

Dem Verein gehören derzeit etwa 20 aktive Mitglieder an, vor allem Studenten, junge Wissenschaftler und Lehrlinge der Technischen Universität, und die Tänzer werden auch auf ihren Reisen begleitet von der Instrumentalgruppe unter Leitung von Andrea Deutschmann. Seit vielen Jahren fährt das renommierte TU-Folkloreensemble zu nationalen und internationalen Festivals, gastierte bereits in fast allen europäischen Ländern sowie in den USA. Außerdem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Tanzensemble „Helena Salichova“ aus Ostrava.

Beim Festauftritt in der Staatsoperette hat es das Publikum deutlich verzaubert, ist den Dresdnern etwas voraus, was den Gesang betrifft und beherrscht auf rasante Weise Tanzspiele mit Hutabtausch oder Dreschflegeln. Doch natürlich haben auch die Gastgeber den Zuschauern das Herz geöffnet, beispielsweise mit ihrem „Slowakischen Räubertanz“, dem ultimativen Aufgebot aller Männer und solcher, die es werden wollen. 

Als Gast dabei war ebenso das Kinder- und Jugendtanzstudio unter anderen mit rhythmischen Stelzenspielen und Klamottenklamauk. Dem Studio gehören weit über 100 Mädchen und Jungen im Alter von 4 – 19 Jahren an, die sich mit verschiedensten Stilrichtungen des Tanzes befassen wie Jazz, Modern Dance, Hip Hop, Folklore und Improvisation. Beim ersten Bundeswettbewerb „Jugend tanzt“ 2005 in Paderborn belegten Mitglieder des Kinder- und Jugendtanzstudios der TU Dresden mit dem slowakischen Mädchentanz den 1. Platz in der Kategorie Klassisch/Traditionell. Man muss gar nicht erst lange überlegen; irgendwo ist das Nest, aus dem solch erfolgreiche Küken schlüpfen.

Das TUTE – 55 Jahre
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